
An den Ausläufern des Monte Baldo in einer schönen Bucht liegt das verträumte Fischerdorf Torbole, wo Goethe einige Septembertage im Jahr 1786 verbrachte. Er war begeistert von dem unvergleichlichen Schauspiel der Natur: dem azurblauen See, umrahmt von majestätischen Felswänden und einer vielfältigen Vegetation. Eine Gedenktafel an dem Haus Casa Alberti auf der Piazza Vittorio Veneto erinnert an ihn.
Die Natur ist hier schön wie eh und je, aber Torbole ist heute ein turbulenter Ferienort mit 2.200 Einwohnern. Die Scharen an Wassersportlern nicht einberechnet, den Torbole ist die "europäische Hauptstadt der Surfer".
Mit ihren Boards auf dem Dach, den Schlafsäcken im Kofferraum und feschen Mädels im Schlepptau stürmen sie das kleine Torbole.
Die extremen Klimaunterschiede auf engem Raum schaffen Temperatur- und Luftdruckunterschiede, die sich in verschiedenen Lokalwinden manifestieren.
Schon Goethe schrieb am 12. September 1786 folgenden Eintrag in sein Tagebuch: "Nach Mitternacht bläst der Wind von Norden nach Süden, wer also den See hinab will, muss zu dieser Zeit fahren; denn schon einige Stunden vor Sonnenaufgang wendet sich der Luftstrom und zieht nordwärts."
Der von ihm beschriebene Bergwind-Seewind-Zyklus wird von kleinräumigen Winden überlagert, die den Tiefdruck am Sonnenhang und den Hochdruck am Schattenhang ausgleichen. Das bedeutet: Der Gardasee ist immer für Überaschungen gut und sollte nicht unbedingt von Anfängern auserwählt werden.
Den Tagesablauf bestimmen der Pelér (Der Wind für Frühaufsteher, Geschwindigkeit 12-15 Meter pro Sekunde), der bereits bei Sonnenaufgang gegen 6:00 Uhr die meisten Surfer aus den Betten bläst.
Wer eine lange Nacht hinter sich hat, der kann es dann ausgeschlafen um 12:00 Uhr mit der Ora versuchen (Geschwindigkeit 5-12 Meter pro Sekunde), die bis Sonnenuntergang anhält.
Ein Teil von Torbole, sicherlich der zauberhhafteste, hat den Aspekt des uralten Fischerdofes beibehalten, das Torbole vor einigen Jahrhunderten einmal war. Man muss nur einige Meter hoch wandern ( 150 m über dem Seespiegel), um mit dem zauberhaftesten Blick belohnt zu werden. Schmal und eingeengt zwischen den Bergen nimmt hier der See einen fjordähnlichen Charakter an.
Nago, das großartige Tor zum Gardasee, blickt stolz von seiner Felsenhöhe wie zu den Zeiten, als es zu Füßen von Schloss Penede als kleines Örtchen die Landschaft vom Etschal bis zum Gardasee überwachte.
Über Torbole und seine ungewöhnlichen Windströmungen schrieb bereits Goethe als "ein Wunder der Natur, ein zauberhaftes Schauspiel".